Der Kölnpfad

Etappe 1: Von Rodenkirchen nach Klettenberg (21,28km)

Heute war es soweit! Meine Tochter Rebecca und ich sind den Kölnpfad gestartet.
 
Der Kölnpfad ist der Rundwanderweg „eimol üm Kölle rüm“! Geschaffen wurde er vom Kölner Eifelverein, der ihn auch betreut. Das scheint zu klappen, denn die erste Etappe war gut ausgeschildert. Insgesamt beträgt die Strecke 158 Kilometer; mit den An- und Abwanderungen von und zu den Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel sind es 171 Kilometer.
 
Insgesamt werden für diesen Rundwanderweg elf Etappen vorgeschlagen. Da Rebecca allerdings Schwierigkeiten bei der Urlaubsplanung hatte, haben wir uns entschlossen, das Projekt in acht Etappen anzugehen, indem wir einige Tagesstrecken zusammengelegt haben. Die sind mit 27 und 30 Kilometer etwas länger geworden, aber da müssen wir dann durch.
 
Heute stand die erste Etappe mit einer Länge von 22 Kilometern an. Wir haben sie ganz gut gemeistert, was aber daran lag, dass es fast keinen einzigen Höhenmeter zu überwinden gab. Im Gegensatz zu den Herausforderungen in den Weinbergen der Mosel war alles flach. Wenn das so weitergeht, sehen wir einem guten Ende entgegen.
Einen kleinen Wermutstropfen gab es: Rebecca hatte leichte Scheuerschmerzen an beiden kleinen Zehen. Natürlich hatten wir unser Wundermittel dabei – unser Tape-Band, das schon während der letzten Wanderprojekte so gute Dienste geleistet hat. Und auch heute hat es wieder einmal mehr geholfen!
 
Gestartet sind wir am Rhein in Rodenkirchen. Der dortige Blick auf den Dom gehört selbstverständlich dazu. Am Rhein entlang ging es nach Weiß, dann grobe Richtung zurück am Forstbotanischen Garten vorbei nach Zollstock und von dort nach Klettenberg, wo an der Tram-Haltestelle „Klettenbergpark“ die heutige Strecke endete – und auch hier darf der Blick auf die beiden Türme des Domes nicht unerwähnt bleiben.
 
Viel Wald, viel Wiesen, viele Gärten – Grün war die dominante Farbe dieser Etappe. Wir waren überrascht wieviel Natur diese Ecke der Großstadt Köln zu bieten hat.
 
Die reine Laufzeit betrug vier Stunden und 23 Minuten. Mit unseren kleinen und größeren Pausen waren wir sechs Stunden und 15 Minuten unterwegs. Hinzu kamen die An- und Abfahrtzeiten.
 
Bedauerlicherweise hatten unsere Wetter-Apps recht behalten, denn ab 14 Uhr setzte Regen ein, der zwar mit der Zeit schwächer wurde, aber erst aufhörte, als wir unser Etappenziel erreicht hatten. Dank unserer Regenausstattung (Poncho und Regenjacke) hatten wir aber keine wirklichen Probleme damit.
 
Unser Fazit der ersten Etappe ist positiv: Die Stadt Köln hat unendlich viele Gesichter und wir sind sicher, dass wir diese spannende Großstadt am Rhein noch auf vielfältige Weise auf den kommenden über 130 Kilometern erleben werden.

Hier gibt's auf Instagram ein Reel zur ersten Etappe.

Etappe 2: Von Klettenberg nach Bocklemünd (18 km)

Den größten Eindruck des heutigen Tages auf dem Kölnpfad hat das Familienfest zur Saisoneröffnung des 1. FC Köln auf der Wiese vor dem RheinEnergieStadion hinterlassen.
 
Auch die zweite Etappe verlief durch Wiesen, Parkanlagen und Wälder und führte nicht nur vorbei am Decksteiner und am Adenauerweiher, sondern auch direkt vorbei an der Westseite des weit über Köln hinaus bekannten Fußballstadions. Und dort überraschten uns eine beachtliche Menschenmenge, zahlreiche Verkaufsstände und eine Frauen-Band, die fetzige Rhythmen spielte. Natürlich trug nahezu jeder und jede die Vereinsfarben des 1. FC Köln am Leibe, nämlich rot-weiß. Wir fielen mit unserer Wanderkluft fast schon unangenehm auf.
 
Aber das Beste war: Wir haben Hennes gesehen! Hennes ist ein Geißbock, der als Maskottchen des 1. FC Köln dient. Es ist inzwischen der neunte Geißbock und als Glücksbringer in der deutschen Fußballgeschichte einmalig. Beim ersten FC hat das allerdings nicht immer geklappt. Insgesamt sieben Mal ist dieser Traditionsverein aus der ersten Fußball-Bundesliga abgestiegen. Allerdings hat er auch jedes Mal wieder den Aufstieg geschafft – mit Glück dank Hennes!
 
Wir waren hoch erfreut, Hennes gesehen zu haben, denn wir glauben fest an das Glück, das uns Hennes bringen wird.
 
Insgesamt sind wir heute rund 18 Kilometer gelaufen, wie bei der ersten Etappe durch viel Grün. Wir hatten gar nicht gewusst, wieviel Freizeit- und Erholungsflächen diese Großstadt bietet. Heute waren mit uns viele Menschen aus allen Altersgruppen sportlich aktiv. Jede Menge Freizeitsportler waren an diesem Samstagmorgen unterwegs. Natürlich auch viele, die nicht wegen der Gesundheit, sondern wegen ihrer Hunde den Weg ins Grüne gefunden hatten.
 
Die Strecke führte durch den Klettenbergpark vorbei an Junkersdorf, Müngersdorf und Vogelsang bis nach Bocklemünd zur dortigen Haltestelle der Tram. Konditionell war dies gut leistbar, wir brauchten drei Stunden und 34 Minuten reine Laufzeit.
 
Pausen machten wir wenige. Allerdings machten auch heute die neuen Schuhe von Rebecca wieder Schwierigkeiten, so dass wir diesmal dickes Druckstellenpflaster oberhalb des rechten Knöchels aufbringen mussten. Und als „Belohnung“ für unseren ärztlichen Eingriff gab es eine Pause mit Nussecken.
 
Ab viertel nach eins setzte dann Regen ein, der wirklich keine Freude bereitete. Es schüttete regelrecht! Dank unserer Ponchos blieben wir zwar weitgehend trocken, aber trotzdem…! Leider hielt der Regen bis zum Ende der Etappe an und rückblickend können wir inzwischen wieder darüber lachen.
 
Unser Fazit der heutigen Strecke ist durchwachsen: Der Regen hätte nicht sein müssen. Dafür aber war das riesige Freizeitgelände um das Fußballstadion beeindruckend. Dort gibt es sogar einen Lehrgarten des Kleingärtnerverbandes! In Köln gibt es wahrscheinlich alles!

Hier gibt's auf Instagram ein Reel zur zweiten Etappe.

Etappe 3 und 4: Von Bocklemünd über Worringen nach Merkenich (27 km)

Vorneweg: Wir sind die dritte und vierte Etappe in einem Stück gelaufen.

Das wichtigste Ergebnis des heutigen Tages ist, dass wir die 27 Kilometer der dritten und vierten Etappe geschafft haben. Hier und da bemerkten wir kleinere schmerzende Stellen an unseren Füßen, aber letztlich waren wir konditionell der Strecke gewachsen.
 
Wichtige Rahmenbedingung dabei war, dass es heute nicht (!) geregnet hat. Es schien sogar des Öfteren die Sonne, was sich auf meiner Haut so stark anfühlte, dass ich mir eine dicke Ladung Sonnencreme für Gesicht und Arme verpasste.
 
Der Start war allerdings ein wenig holprig. Die Beschreibung des Startpunktes im Wanderführer war zumindest für Rebecca und mich missverständlich, so dass wir gleich zu Beginn orientierungslos um die Haltestelle der Tram geirrt sind, bis wir endlich unseren Kölnpfad-Wegweiser gefunden haben. Ab dann lief alles aber eher reibungslos.
 
Unsere heutige Etappe entsprach den vom Eifelverein vorgeschlagenen Etappen drei und vier, die wir einfach zusammengelegt haben. Das bedingte natürlich eine längere Strecke. Sie verlief von Bocklemünd vorbei am Pescher und am Escher See bis nach Esch. Von dort aus ging es unter der A 57 bis zum Wasserwerk Weiler und dann weiter bis nach Roggendorf/Thenhoven. Hier wäre nach 16 Kilometer eigentlich die dritte Etappe zu Ende gewesen. Wir gingen aber weiter durch das Worringer Bruch bis zum Deich am Rhein und absolvierten so auch die vierte Etappe. Es war schon ein ergreifendes Gefühl, auf dem Deich zustehen und den Rhein zu sehen, an dem wir in Rodenkirchen unsere erste Etappe begonnen haben. Wir haben das linksrheinische Köln also einmal umwandert! Auf dem Deich ging es dann kilometerlang an den Orten Lengel, Rheinkassel und Kesselberg vorbei bis zum Ende dieser Strecke, nämlich bis zur Tram-Haltestelle Merkenich. Diese liegt in unmittelbarer Nähe der imposanten neuen Rheinbrücke der A1.
 
Man merkt schon den Unterschied zu unseren früheren Wanderprojekten, bei denen wir insbesondere in den Weinbergen des Moseltales etliche Auf- und Abstiege meistern mussten. In Köln gibt es diese Höhenunterschiede nicht, was unserer Kondition gut tat. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Organisatoren des Kölnpfades bemüht sind, Wanderinnen und Wanderer so viel wie möglich durch Parks und Grünanlagen zu führen. Das ist zum einen lobenswert, zum anderen fehlt ein wenig der Kontakt zum Urbanen. Köln besteht eben aus mehr als nur aus Grünanlagen. Es war daher richtig spannend, durch die Straßen von Roggendorf/Thenhoven zu marschieren, die mit Fahnen und Wimpeln des Schützenvereins geschmückt waren, da dort Schützenfest gefeiert wurde. Und vor dem Haus des Schützenkönigs war „richtig was los“! Es war schön, die Menschen bei gelöster Stimmung zu sehen.
 
Ungelöst blieb für uns beide dagegen die Frage, warum trotz unserer Wanderschuhe ständig kleine Sandkörner den Weg in unsere Schuhe gefunden haben. Dieses Problem wollen wir aber angehen, denn es nervt, alle paar Kilometer die Schuhe auszuziehen, um die kleinen Körner zu entfernen.
 
Unser Fazit des heutigen Tages ist positiv: Ohne Regen läuft es sich einfach leichter. Die Kilometer auf dem Rheindeich machten Spaß! Und das Eis in der Eisdiele in Roggendorf/Thenhoven war lecker.

Hier gibt's auf Instagram ein Reel zur dritten und vierten Etappe.

Etappe 5 und 6: Von Merkenich über Mülheim nach Schlebusch (27 km)

Auch heute sind wir erneut zwei Etappen am Stück gewandert: die fünfte und sechste.

Wie gestern haben wir wieder 27 Kilometer gestemmt, aber im Gegensatz zu gestern sind wir richtig „fertig“. Das kann daran liegen, dass wir nach gestern nunmehr am zweiten Tag hintereinander eine solche Strecke als Aufgabe hatten. Das kann aber auch daran liegen, dass uns heute ein für unser Empfinden extrem wechselhaftes Wetter begleitete. Mal war es kühl, mal kühl windig, mal schien die Sonne und zwar sofort ziemlich stark und mal schien zwar die Sonne nicht, aber es war schwül warm. Ich war so durchgeschwitzt, dass meine gesamte Bekleidung zu Hause bei Rebecca erst mal in den Wäschetrockner musste.
 
Wir sind aber nicht nur konditionell an unsere Grenzen gekommen. Auch unsere Körper zeigten Signale. Rebeccas rechte Achillesferse fing gleich nach den ersten Metern an zu schmerzen, so dass Voltaren erfolgreich zum Einsatz kam. Erstmals seit unseren Wanderprojekten tat ihr nach etwa zehn Kilometern das linke Knie weh – früher war das rechte Knie die Schwachstelle. Zuerst kam daher – diesmal erfolglos – Voltaren zum Einsatz. Danach wurde getaped, was zwar Erleichterung verschaffte, aber ein Rest-Schmerz blieb. Aber Aufgeben war keine Option!
 
Ich hatte gleich nach den ersten Metern Schmerzen im rechten Knöchel, was darauf zurückzuführen war, dass ich meine Einlagen bislang nicht genutzt hatte. Das korrigierte ich mit Erfolg für meinen Knöchel, aber jetzt hatte ich wahrscheinlich wegen der Einlagen Schmerzen im dritten und vierten linken Zeh. Im Gegenteil zu Rebecca hat bei mir das Wundermittel Tape sofort geholfen.
 
Uns graut schon vor dem morgigen Tag, denn dann sind insgesamt 30 Kilometer unser Tagesziel! Aber eines ist klar, wir werden es schaffen – und wenn wir erst gegen Mitternacht nach Hause kommen!!!
 
Unsere heutige Strecke setzte sich aus den vom Eifelverein vorgeschlagenen Etappen fünf und sechs zusammen. Sie verlief von Merkenich entlang der A1 nach Seeberg. Von dort entlang der B9 zum Niehler Hafen und dann zwischen Rheinufer links und Hafen rechts bis zur Mühlheimer Brücke. Das war ein Mix zwischen Natur und Globalisierung, denn der Niehler Containerhafen war beeindruckend was die Größe und Anzahl der Schiffe und auch die Unmenge der Container anbelangte. Auf der anderen Rheinseite empfing uns das urbane und quirlige Mühlheim, eine angenehme Abwechslung gegenüber den Eindrücken des Vormittags.
 
Nach unserer Mittagspause in einem Eiskaffee ging es dann zum Rheinufer und dort quasi entlang des Ufers einige Kilometer wieder zurück bis nach Flittard. Ab dann wurde „alles“ anders. Etliche Wegstrecken bis nach Schlebusch machten dem Namen „Kölnpfad“ alle Ehre. Es waren tatsächlich teils kilometerlange schmale Pfade, was bei uns den Gedanken aufkommen ließ, dass der Kölnpfad offensichtlich nur von wenigen Enthusiasten genutzt wird.
 
Insgesamt sind wir fünf Stunden und 43 Minuten gelaufen. Unterwegs waren wir sieben Stunden und 54 Minuten. Gottlob hat es heute nicht geregnet. Ganz am Anfang kam in uns eine leichte Panik auf, da plötzlich für wenige Minuten ganz feiner Nieselregen einsetzte. Das war es aber schon.
 
Unser Fazit ist, dass der heutige Tag auf dem Kölnpfad bislang der beste war. Der Mix zwischen Industrie, Hafen, urbanem Leben und Natur war bei diesen beiden Etappen gelungen. Einzig zu bemängeln ist, dass wir zur Zeit in Köln Wahlkampf für die Kommunalwahlen haben und das hat zur Folge, dass hin und wieder die Wegweiser des Kölnpfades insbesondere an den Straßenlaternen von den dort angebrachten Plakaten der Parteien verdeckt werden. Aber wenn es denn der Demokratie dient, dann soll es so sein.

Hier gibt's auf Instagram ein Reel zur fünften und sechsten Etappe.

Etappe 7 und 8: Von Schlebusch über Thielenbruch nach Bensberg (28 km)

Auch heute sind wir erneut zwei Etappen am Stück gewandert: die siebte und achte.
 

Ich glaube nicht, dass ich in den nächsten Tagen in der Lage wäre, nochmal eine solche Strecke abzumarschieren. Gestern und vorgestern jeweils 27 Kilometer und heute 28 Kilometer haben mich konditionell an meine Grenzen geführt. Rebecca dagegen lief neben mir wie eine Wandergöttin völlig unbeeindruckt von den Kilometern – und vor allem behielt sie regelmäßig die Nerven, wenn wir uns wieder einmal verlaufen hatten oder erneut zu verlaufen drohten. Aber von vorne:
 
Laut des Organisators des Kölnpfads, dem Eifelverein, hätten wir heute eigentlich 30 Kilometer laufen müssen. Eine bekannte Wander-App hingegen geht von rund 28 Kilometern aus. Letzteres können wir bestätigen – obwohl wir natürlich gerne mit einer höheren Leistung aufgetreten wären. Das sind zwar nur zwei Kilometer Unterschied, aber Rebecca und ich waren nach 28 Kilometern froh, diese zwei zusätzlichen Kilometer nicht auch noch laufen zu müssen.
 
Wir haben uns heute zweimal verlaufen – gleich am Vormittag im Wald hinter Dünnwald und am Ende der Strecke in Bensberg. Rebecca blieb die Coolste von uns. Und nicht etwa ich, sondern sie führte uns Dank ihres hervorragenden Orientierungssinnes jedes Mal zurück an den richtigen Ausgangspunkt. Ich war stolz auf meine Tochter, die schon seinerzeit beim Mosel-Camino bewiesen hatte, dass sie die bessere „Fährtenleserin“ ist.
 
Unsere Strecke war wie die letzten beiden Tage eine Zusammenlegung von vorgeschlagenen Routen, und zwar diesmal der Etappen sieben und acht. Diese 28 Kilometer verliefen ganz überwiegend durch Wald. An manchen Streckenabschnitten war sogar die Bezeichnung „Pfad“ durchaus berechtigt. Die Strecke verlief von Schlebusch aus durch den Forst an den Gemeinden Dünnwald und Hand vorbei bis nach Dellbrück. Vor dort ging es dann teilweise durch nicht enden wollende Waldwege vorbei an Refrath und Lückerath bis zum Endpunkt Bensberg. Die kurze Strecke am Ende durch die saubere Innenstadt von Bensberg war ein gelungenes Kontrastprogramm zu den dunklen, schattigen und nassen Waldwegen.
 
Mit dem Wetter hatten wir wieder einmal Glück! Die Nacht über muss es sehr stark geregnet haben. Am Tag dagegen lösten sich Wolken und Sonnenschein in regelmäßigen Abständen ab. Das Wichtigste war, dass der Regen uns verschonte! Insgesamt erreichten wir 24 Grad, was uns wegen der nassen Bäume und Wege wie warmfeuchtes Regenwaldklima vorkam.
 
Ein lustiges Erlebnis war, dass wir gleich zu Beginn hinter Schlebusch einen Weg suchten, der im Wanderführer mit „Teerweg“ angegeben worden war. Alle anderen Straßennamen waren leicht zu finden, nur eben der Teerweg nicht. Und nachdem eine vorbeigekommene Frau meinte, dass es hier eine Straße mit diesem Namen nicht gäbe, wurde uns plötzlich klar, dass der Wanderführer eine „geteerte Straße“ meinte, und nicht etwa eine Straße mit dem Namen Teerweg. Noch lange haben wir im Wald über uns selbst gelacht. Der Tag fing schön an.
 
„Halblustig“ war ein Ereignis am Ende unserer Strecke, denn das Wegzeichen „Kölnpfad“ war an einem Baum nur noch deshalb halb zu erkennen, weil genau an dieser Stelle ein Pilz darüber gewachsen war. Die Natur spielt eben seltsame Streiche. Meine Versuche, den Pilz zu entfernen und das Wegzeichen lesbar zu machen, scheiterten kläglich. Ab diesem Punkt haben wir in Bensberg die Orientierung verloren und uns dann per Google Maps den letzten Kilometer durchgeschlagen. So lernten wir dann auch den Friedhof von Bensberg kennen. Jede Riesling-Steillage an der Mosel würde diesen Friedhof um seinen Steilwinkel beneiden. Das zu sehen, hat sich gelohnt.
 
Unser Fazit ist klar: Wir werden zukünftig darauf achten, dass die einzelnen Etappen nicht so fordernd von uns selbst festgelegt werden. Zum Glück hatten Rebecca und ich heute kaum „medizinische“ Probleme, da wir gut getaped und gut mit Voltaren vorsorglich eingecremt waren. Jetzt genießen wir ein eiskaltes Bier, denn heute gilt es, die Halbzeit (= fünf von acht Tagen geschafft) zu feiern.

Hier gibt's auf Instagram ein Reel zur siebten und achten Etappe.

Etappe 9: Von Bensberg nach Porz (18 km)

Nach den drei Gewaltmärschen zuvor, nämlich 28 Kilometer gestern sowie 27 Kilometer jeweils vorgestern und vorvorgestern, waren Rebecca und ich heute Morgen alles andere als fit. Im Gespräch bei der Anfahrt zum Ausgangspunkt unserer heutigen Etappe (Haltestelle der Tram in Bensberg) stellten wir beide fest, dass wir bei unserem ersten Projekt, dem Mosel-Camino, von Etappe zu Etappe fitter geworden waren. Beim jetzigen Kölnpfad hingegen werden wir von Etappe zu Etappe schwächer. Das verstehe wer will?
 
Heute standen 18 Kilometer auf dem Programm. Das war zu schaffen und wir schafften es auch. Voltaren, Tape und Druckstellenpflaster deckten die hinlänglich bekannten Schwachstellen ab. 
 
Bis nach Bensberg brauchten wir von Rebeccas Wohnung in Ehrenfeld etwa eine Stunde. Und dann ging es auch gleich los. Wir fanden ausnahmsweise einmal problemlos den Wiedereinstieg in die Strecke und schon nach wenigen Minuten waren wir im Wald, dem sogenannten Königsforst.
 
Die gesamte heutige Strecke war von Wald geprägt. Für viele Menschen ist Wald ein Inbegriff für mystische Naturverbundenheit. Für Rebecca und mich gilt das natürlich auch. Aber schon beim „Abwandern“ des Lieserpfads, einem Nebenfluss der Mosel, im Mai diesen Jahres haben wir uns über die dortigen Waldrouten wenig gefreut. Wir sehen gerne „etwas“. Heute waren es eben Bäume. Trotzdem hatte auch diese Etappe ihre Höhepunkte!
 
Höhepunkt eins war der „Monte Troodelöh“, der mit seinen 118 Metern nicht nur der höchste Punkt auf dem Kölnpfad, sondern die höchste Erhebung im gesamten Kölner Stadtgebiet ist. Der Name ist eine Zusammensetzung aus den Namen der drei „Erstbesteiger“ des Monte, die Angehörige der Kölner Stadtverwaltung waren.  Diese „Erstbesteigung“ fand am 12. November 1999 im Rahmen eines „Bergfestes“ statt, um auf diesen bis dahin namenlosen Hügel aufmerksam zu machen. Heute gibt es dort eine überdachte „Gipfelhütte“, einen Findling mit Bronzetafel und einem „Gipfelbuch“, in das wir uns natürlich auch eingetragen haben. Diese Geschichte (mit eigener Homepage) ist um die Welt gegangen und bezeugt den typischen Kölner Humor.
 
Höhepunkt zwei war die Wassertretanlage inmitten des Königsforstes, die sich größerer Beliebtheit zu erfreuen scheint. Ein Radfahrer, eine Läuferin, eine Dreiergruppe junger Frauen und wir nutzten das eiskalte Wasser, um neue Energie aufzutanken. Es ist einfach ein herrliches Gefühl, die Füße, die einen Tag für Tag ans Ziel gebracht haben, vom Wasser massieren zu lassen. Das ist Wellness pur! Und tut nicht nur den Füßen, sondern auch der Seele gut.
 
Im Königsforst gab es Übrigens auf der Strecke nicht nur den Monte Troodelöh, sondern auch etliche andere kleinere Auf- und Abstiege. Diese eher sanften Hügel waren nichts dramatisches, aber im Gegensatz zu der bisherigen „Flachlandwanderung“ doch auffällig.
 
Auffällig war auch der Fluglärm über dem Königsforst und der sich anschließenden Wahner Heide. Man merkt eben, dass man sich in unmittelbarer Nähe des Flughafens befindet.
 
Morgen werden wir wieder näher an das urbane Köln herankommen. Und dann ist ja auch schon bald der Kölnpfad geschafft. Die Zeit rast! Wilhelm Busch schrieb ja: „Einszweidrei im Sauseschritt läuft die Zeit – wir laufen mit!“. Hoffentlich kann ich noch lange mitlaufen.

Hier gibt's auf Instagram ein Reel zur neunten Etappe.

Etappe 10: Von Porz nach Zündorf (20 km)

War das eine tolle Etappe! Wir haben viel gesehen! Und das Wetter bestand überwiegend aus strahlendem Sonnenschein! Das, was an den ersten Tagen gefehlt hatte, holte die Sonne jetzt nach. In der Spitze hatten wir bis zu 28 Grad. Super!
 
Die Strecke verlief anfangs eher unspektakulär, nämlich von Wahn entlang der Bahnstrecke bis wir dann nach etwa zwei Kilometern Richtung des kleinen Weilers Libur abbogen. Entgegen früheren Routen gab es keinen Wald, sondern nur Felder, über die man den Blick weit schweifen lassen konnte. Von Libur aus marschierten wir dann zuerst noch über Feldwege, um dann nach einigen Kilometern auf den Deich vor dem Ort Langel die Strecke weiterzulaufen. Das Wandern auf einem Deich ist etwas besonderes! Der Wind schmeichelt einem, während man nach allen Richtungen immer neue Perspektiven gewinnt.
 
Da wir heute konditionell wieder „auf der Höhe“ waren, erreichten wir alsbald den Rhein, den wir mit Freude begrüßten. Unser guter, alter Rhein floss gemächlich vor unseren Augen dahin, während wir auf dem Deich Kilometer für Kilometer dem Ziel entgegenkamen.
 
Natürlich gab es mit dem Langelner Auwald auch wieder eine Strecke durch den Walt. „Kein Kölnpfad ohne Waldweg“ war unser erster Kommentar. Aber wir waren bei dem knackigen Sonnenschein doch froh, nach Stunden ohne Schatten durch einen kühlen Forst zu traben. Schließlich ging es wieder auf den Rheindeich, auf dem wir zügig unser Ziel, das Touristenstädtchen Zündorf, erreichten.
 
Ich fand, dass dies die schönste Etappe des ganzen Kölnpfades war! Das lag nicht nur daran, dass wir landschaftlich  tolle Eindrücke erleben durften, insbesondere dank der Strecken auf dem höhergelegenen Deich. Wir hatten auch gleich zu Beginn eine nette Plauderei mit einem Golfspieler auf dem Golfplatz Urbanus, der seinen Platz und das Clubhaus in höchsten Tönen lobte. Kurz danach kamen wir an einem kleinen Flugplatz für Modellflugzeuge vorbei, wo wir erleben konnten, wie die kleinen Dinger in der Luft die tollsten Pirouetten flogen und dabei fast Krach wie eine große Maschine machten.
 
Und schließlich gab es jede Menge Tiere. Rebecca hatte wie immer ihre Freude an den vielen Pferden. Dann lief uns hinter Langel ein Fuchs über den Weg ins Gebüsch auf der gegenüberliegenden Straßenseite, und flugs krachte ein Hase genau aus diesem Gebüsch, weil er wohl keine Nachbarschaft mit dem Fuchs wollte. Im Auwald flog über einen Kilometer lang ein Habicht oder ein Bussard vorweg, so, als wollte er uns den Weg zeigen. Ein beeindruckendes Erlebnis, dieses stolze Tier vor einem gleiten zu sehen. Wir haben natürlich gegoogelt, konnten uns aber nicht entscheiden, ob unser Begleiter ein Habicht oder ein Bussard war. Und dann hat Rebecca vom Deich aus im Seitenarm des Rheins bei Langel eine Biberratte gesehen. Ich hätte das schöne Tier nicht entdeckt, aber Rebecca ist nicht nur eine gute „Fährtenleserin“, sondern hat auch ein „Adlerauge“! Diese Tiere heißen auch Nutria und wurden früher als Pelztiere auf Farmen gezüchtet. Es war anmutig anzusehen, wie wohl sich der kleine Strolch im Wasser fühlte. Fast hätte ich vergessen, „unseren“ Reiher zu erwähnen. Wir haben mehrmals auf der Strecke einen dieser stolzen Vögel beobachten können und hatten am Schluss das Gefühl, dass es immer derselbe Reiher ist, der uns begleitet.
 
Der Höhepunkt dieser Etappe aber war, dass wir angesichts der Hitze auf dem Deich vor Zündorf Halt machten, die Schuhe auszogen und mit den Füßen im Rhein badeten. Auf diese Idee ist mal wieder Rebecca gekommen, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Ein Kölnpfad ohne die Füße im Rhein gehabt zu haben, ist kein Kölnpfad. Kurzum, wir hatten es gut!
 
Unser Fazit für die heutige Etappe ist überschwänglich: Konditionell keine Probleme mehr, herrliche Aussichten vom Deich auf Köln und das Rheinland - und die Füße im Rhein gebadet! Wanderer, was willst Du mehr!

Hier gibt's auf Instagram ein Reel zur zehnten Etappe

Etappe 11: Von Zündorf nach Rodenkirchen (9 km)

Die wichtigste Botschaft für die heutige elfte und finale Etappe lautet: Wir haben es geschafft! Wir sind in acht Tagen insgesamt 169 Kilometer einmal rund um Köln marschiert.
 
Konditionell waren diese letzten neun Kilometer eigentlich keine Herausforderung. Auf asphaltiertem Geh- und Radweg ging es von Zündorf immer am Rhein entlang bis zur Rodenkirchener Brücke. Und nachdem wir diese nach etwa zwei Stunden Laufzeit überquert hatten, waren wir am Ausgangspunkt unseres Rundwanderweges wieder angekommen. Geschafft!
 
Es tat gut, quasi ohne jeden Leistungsdruck diese letzten Kilometer entlang des Rheines abzulaufen. Wir hatten zwar keinen direkten Sonnenschein, wie am Vortag, aber das Wetter war warm, fast schwül. Es war ein schönes Gefühl, links den Rhein gemächlich vor sich hinfließen zu sehen und rechts über die teilweise elegante Weise der Bebauung der Uferhäuser zu staunen.
 
Auch das Örtchen Zündorf selbst war recht ansehnlich. Im Gegensatz zu gestern waren alle Restaurantterrassen geöffnet und die vielen Besucher gaben dem ganzen Ensemble ein angenehmes touristisches Flair. Besonders spannend waren die an der Hauswand eines Restaurants eingebrachten Pegelstände der letzten größeren Hochwasser. Diese waren so hoch, dass einem regelrecht die Fantasie fehlte, sich ein solches gigantisches Hochwasser vorzustellen. Man fragt sich, woher wohl all dieses Wasser gekommen sein soll?
 
Höhepunkt des heutigen Tages war nicht nur das Erreichen des Ziels, sondern auch der Umstand, dass Björn Heuser uns auf dieser letzten Etappe begleitete. Björn ist in Köln als Mitsingkönig bekannt „wie ein bunter Hund“. Schon während unseres ersten Projekts, dem Mosel-Camino, hat er es sich nicht nehmen lassen, uns abends im Moseltal zu besuchen, um uns für die letzten noch ausstehenden Etappen zu motivieren. Diesmal ist er die finale Etappe mitgewandert, was für Rebecca und mich eine Bereicherung war.
 
Mitsingen und Wandern sind ja zwei Seiten einer Medaille, nämlich dem Wunsch des Menschen, dazuzugehören, Teil eines größeren Ganzen zu sein. Wir sind gespannt, wie Björn diese Etappe in unserem geplanten Reisebericht über den Kölnpfad beschreiben wird.
 
Das Erreichen des Ausgangspunktes und damit das Ende unserer achttägigen Anstrengung war reichlich unspektakulär. Bei Bier und Bratwurst auf der Terrasse von Rebeccas Wohnung ließen wir die 169 Kilometer nochmal an uns vorbeilaufen. Und dann fingen wir auch schon an, das nächste Projekt zu planen. Diesmal soll es im Frühjahr 2026 der Eifel-Camino von Andernach quer durch die Eifel bis nach Trier sein.

Hier gibt's auf Instagram ein Reel zur elften Etappe