Der Lieserpfad

Etappe 1: Von Boxberg nach Daun (16,29 km)

Eifelgold und Sauerbrunnen satt 

 
Rebecca und ich haben uns diesmal den Lieserpfad vorgenommen. Nachdem wir im letzten Jahr den Mosel-Camino von Koblenz nach Trier gepilgert sind, wollten wir uns den Lieserpfad nicht entgehen lassen. Die Lieser ist ein Nebenfluss der Mosel; wir wollen sie von ihrer Quelle in der Eifel bis zur Mündung in die Mosel begleiten. Das sollen insgesamt 74 Kilometer sein, also noch nicht einmal die Hälfte des Mosel-Camino! Das müsste zu schaffen sein. 
 
Ende Juli, Anfang August werden wir die wirkliche Herausforderung dieses Jahres angehen, nämlich den sogenannten Kölnpfad. Dann geht es einmal rund um Köln mit 159 Kilometern. Mit etwas Glück werden wir auch darüber berichten. Aber zuerst einmal zum Lieserpfad. 
 
Der Start heute Morgen begann bei Rebecca in Köln-Ehrenfeld. Ehefrau und Mutter Dominique unterstütze uns wie immer und fuhr uns zur Quelle der Lieser bei dem kleinen Ort Boxberg. Schon die Fahrt dorthin war eine Freude, denn die hüglige Eifellandschaft mit Wald und Flur und vor allem den saftigen Wiesen mit den Teppichen goldener „Butterblumen“ war eine Augenweide. 
 
Die Quelle selbst ist unspektakulär. Soldaten der Luftwaffe haben sie 1940 im jetzigen Zustand mit Bruchsteinen gestaltet. Man hört es glucksen und das war es. 
 
Um Punkt 11 Uhr verabschiedeten wir uns von Dominique und dann ging es in Richtung Daun, dem Ende unserer heutigen ersten Etappe. In Daun kamen wir um 16.11 Uhr an. Bei lediglich 16,29 Kilometern Strecke haben wir also reichlich getrödelt, aber wir wussten ja, dass wir für diese kleine Strecke genügend Zeit zur Verfügung hatten. Aber es gab genügend interessante Abwechslung, also Gründe genug, öfter als auf dem Mosel-Camino eine kleine Pause zu machen. 
 
Ich gebe zu, diese kleinen Pausen habe ich auch gebraucht. Rebecca und ich sind mit Null-Vorbereitung in dieses Projekt gestartet und wie soll es anders sein, insbesondere ich merkte die mangelnde Kondition. 
 
Die erste Abwechslung kam gleich nach etwa vier Kilometern mit dem Sauerbrunnen bei dem kleinen Dorf Neichen. Er ist frei für jedermann zugänglich und sein natürliches Mineralwasser schmeckt köstlich. Wir waren bass erstaunt, als plötzlich ein Linienbus direkt neben dem Sauerbrunnen hielt, der Busfahrer den Bus mit laufendem Motor stehen ließ, zur Quelle gelaufen kam und dort eine große Flasche mit dem köstlichen Nass abfüllte. Das dauerte, aber die Fahrgäste waren es wohl gewohnt, denn niemand regte sich auf. 
 
Es kamen übrigens noch zwei weitere Sauerbrunnen. Der nächste nach weiteren gut fünf Kilometern war der Brunnen in dem kleinen Ort Rengen, der zwar schöner gestaltet war, aber weniger gut schmeckte. 
 
Und schon in Daun machten wir vor dem Erreichen des Hotels einen Abstecher zum Hotzendrees. Dieser Abstecher hat sich gelohnt, denn sein Wasser mit relativ viel Kohlensäure und jeder Menge Mineralien war hervorragend. 
 
Die Sauerbrunnen heißen hier alle Drees. In früheren Jahren nutzen die Hausfrauen gerne das Wasser zum Backen, da das Mineralwasser den Teig besser aufgehen ließ. 
 
Erwähnenswert ist ansonsten nur, dass die Landschaft der Eifel herrlich ist. Wir haben Glück, denn überall blüht der Ginster, auch Eifelgold genannt. Eine solch wunderschöne Landschaft mit allen Sinnen genießen zu dürfen, ist ein Glück. 
 
Man könnte meinen, in diese Natur passt keine moderne Technik. Das ist falsch, denn die Autobahnbrücke Liesertal ist zwar ein technisches Meisterwerk der Modernen, passt aber auf wunderliche Art und Weise hierhin wie die Faust aufs Auge. Wir machten ein Foto nach dem anderen, da eine Perspektive schöner als die andere war. 
 
Ich räume ein, nachdem wir unser Ziel Daun erreicht und in der strahlenden Sonne unser verdientes kaltes Weizenbier vor uns stehen hatten, war ich froh, die erste Etappe erfolgreich hinter uns gebracht zu haben. Rebecca war dagegen noch fit wie eh und je. Jetzt sitzen wir beim Kroaten und machen einen Grillteller nieder und freuen uns schon auf die nächste Etappe. 
 

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Etappe 2: Von Daun nach Manderscheid (19,77 km)

Sieben Brücken und Döppekooche 

 
Die zweite Etappe war schon etwas härter als die erste. Mit 19,77 Kilometern und etlichen Steigungen wurde unsere Kondition immer wieder gefordert. Meine Annahme, dass es bei einem Flussweg von der Quelle bis zur Mündung immer abwärts gehen müsste, erwies sich als falsch. Es gab zwar keine Weinberge, wie beim Mosel-Camino, dafür aber halt Berge. Rebecca war topfit, ich hatte noch immer etwas Schwierigkeiten, aber es lief schon deutlich besser als am ersten Tag. 
 
Die Route führte von Daun nach Manderscheid quasi mehr oder weniger entlang der Lieser. Es war erstaunlich anzusehen, wie aus dem Rinnsal Lieser langsam aber sicher ein Bach wurde. Zwischen Daun und Manderscheid gibt es zwar einige kleinere Weiler und Dörfer. Der Lieserpfad führt aber regelmäßig daran vorbei und ganz ehrlich, sie sind reichlich unspektakulär. 
 
Uns haben es heute die vielen Brücken über die Lieser angetan, die wir immer wieder videografierten und fotografierten. Am besten hat mir eine Brücke aus zwei dicken Stahlseilen gefallen. Auf dem unteren Seil musste man seitlich gehen und am oberen Stahlseil galt es, sich ordentlich festzuhalten. Eine tolle und einfache Idee, die ich gleich ausprobierte – und es klappte ganz gut! 
 
Die Frage, warum heute ausgerechnet die Brücken unsere Aufmerksamkeit weckten, lässt sich einfach beantworten: Es gab nicht viel anderes außer Landschaft pur und mal wieder zwei Sauerbrunnen! 
 
Der erste Sauerbrunnen befand sich im Kurpark von Daun, der Dauner Drees. Er hatte bislang das beste Mineralwasser auf der ganzen Strecke. Der zweite, der Üdersdorfer Drees war mit einem hohen Magnesiumgehalt auch nicht schlecht, hatte aber zu wenig Kohlensäure. 
 
Auf der anderen Seite der Lieser befindet sich die ehemalige Üdersdorfer Mühle, die deshalb erwähnenswert ist, weil uns plötzlich zwei Alpakas anschauten, die hier offensichtlich gehalten werden. Wenig weiter weideten fette schwarze Büffel friedvoll vor sich hin. Für Rebecca, die nahezu jede Art von Tieren mag, ein El Dorado! 
 
Heute haben wir übrigens tatsächlich auch andere Wanderer getroffen. Das fing schon beim Frühstück im Hotel in Daun an, wo uns eine ältere Frau (wahrscheinlich jünger als ich) auf die Zeckengefahr hinwies. Auf dem Mosel-Camino wurde ich ja von einer Zecke gebissen und Rebecca konnte sie mittels einer Zeckenkarte aus meiner Wade entfernen. Diese hatten wir vor Ort in Klausen im dortigen Dorfladen gekauft. Und jetzt ärgerten wir uns, dass wir die Zeckenkarte zu Hause liegenlassen haben. Kein Problem, die Dauner Apotheke hatte Zeckenkarten. Wir werden sie bei unseren nächsten Touren bestimmt nicht mehr vergessen. 
 
Besonders berührte uns die Begegnung mit einem äußerst netten Menschen, der den Eifelsteig von Aachen bis an die Mosel joggte. Wir hatten hinter Daun gemeinsam kurz die Orientierung verloren (der Eifelsteig und der Lieserpfad haben dort eine gemeinsame Streckenführung). So kamen wir kurz ins Gespräch. Er überholte uns natürlich und war mit seinem Tempo rasch über alle Berge. Und siehe da, nach gut zwölf Kilometern kam er plötzlich hinter uns angerannt. Da der Eifelsteig etliche Schleifen mehr vorgab, hatten wir ihn quasi überholt. Unser zweites Gespräch dauerte jetzt deutlich länger. Wir schlackerten mit den Ohren, als er berichtete, welche Strecken und Marathonläufe er schon hinter sich hatte. Er träumte vom Projekt „Sieben Marathonläufe in sieben Tagen auf sieben Kontinenten“ (wir haben gegoogelt und siehe da, das gibt es wirklich – die Kontinente werden dabei großzügig ausgelegt). Ein Wahnsinn, was einem alles entgeht! Wenn ich doch nur jünger wäre! Und vorhin trafen wir uns im Foyer unseres Hotels zum dritten Mal! Einen solchen interessanten Gesprächspartner findet man selten – und das auch noch beim Wandern. 
 
Die Landschaft heute war oft durch lichte Wälder geprägt. Sobald der Wald sich aber zurückzog und das Gelände freimachte für Büsche, Hecken und Wiesen, sah man überall das prachtvolle Goldgelb des Ginsters. Wir haben Glück, ausgerechnet zur Blütezeit des Eifelgoldes die Landschaft erobern zu dürfen. Wir konnten uns an den Postkartenbildern der Natur gar nicht satt sehen. 
 
Nach 17 Kilometern sahen wir dann endlich die Ruine der Burg Manderscheid mit dem mächtigen Bergfried und wenig später saßen wir dann auf der Terrasse eines Cafés und ruhten uns bei einem leckeren Apfelkuchen ein wenig von dieser zweiten Etappe aus. 
 
Jetzt sitzen wir auf der Terrasse der Heidsmühle, neben uns die Kleine Kyll, ein Nebengewässer der Lieser und um die Ecke ein großer Forellenteich. Und was gab es zu Essen? Rebecca entschied sich natürlich für die Kräuterforelle und ich mich für Döppekooche mit Räucherforelle. Es war köstlich. Wer Döppekooche nicht kennt, muss wissen, dass ein Eifelaner Döppekooche liebt. Es ist ein einfaches Kartoffelgericht, aber unschlagbar lecker. Die Brücken über die Lieser und dieser Döppekooche werden in Erinnerung bleiben. 
 

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Etappe 3: Von Manderscheid nach Wittlich (25,96 km)

Aufstiege und Abstiege 


Die heutige dritte Etappe war für uns Sonntagswanderer eine echte Herausforderung. Mit 25,96 Kilometern war es nicht nur die längste Etappe, sondern die insgesamt 4,3 Kilometer Aufstieg und 6,4 Kilometer Abstieg hatten es in sich. Im Körper spürten wir plötzlich Schmerzen an Stellen, die wir zuvor gar nicht als Schwachpunkt kannten. 
 
Rebecca tapte mir unterwegs zwei Zehen des linken Fußes und tatsächlich trat direkt eine Linderung ein. Ich wiederum klebte meinem Kind ein Polsterpflaster auf die rechte Schulter, da ihr schwerer Rucksack ihr Schwierigkeiten bereitete. Gemeinsam tat uns jeweils der rechte Knöchel weh, was wir mit Voltaren fachmännisch behandelten. Als wir nach sieben Stunden und 54 Minuten im Hotel in Wittlich ankamen, den Rucksack und die Schuhe ausziehen konnten und lange duschten, war die Welt wieder in Ordnung. 
 
Die Strecke führte von Manderscheid nach Wittlich und zwar ausschließlich durch Wald meist entlang der Lieser. Der Lieserpfad machte seinem Namen „Pfad“ alle Ehre, denn man hatte oftmals das Gefühl, man läuft auf einem Wildwechsel anstatt auf einem Wanderweg. Gottlob gab es die Anstiege fast alle in der ersten Hälfte der Etappe, so dass man gegen Ende eher gemütlich sich dem Ziel nähern konnte. 
 
Der Lieserpfad wird im Internet ja überschwänglich gelobt als einer der schönsten Wanderwege Deutschlands. Spätestens nach dieser dritten Etappe lässt sich sagen, das stimmt nicht. Es ist zwar schön, durch den Wald zu traben, aber auch eintönig bis langweilig. Wir sehen gerne Landschaft. Den Blick ausschweifen lassen, Aussichten genießen, Panoramen mit allen Sinnen aufnehmen ist wesentlich erlebnisreicher, als im Wald die Baumstämme zu begutachten. Auch das hat natürlich seinen Reiz, ist aber kein Kriterium für einen Spitzenplatz unter den Wanderwegen. 
 
Gesehen haben wir aber, wie die Lieser immer größer wurde. Aus dem kleinen Bach ist inzwischen ein kleiner Fluss geworden. Dieses Aufwachsen eines Gewässers miterleben zu können, rechtfertig allerdings allemal das Wandern auf dem Lieserpfad. 
 
Unseren Jogger, den wir während der zweiten Etappe und dann in unserem Hotel getroffen hatten, trafen wir natürlich beim heutigen Frühstück wieder. Und da wir vor ihm das Hotel verließen, überholte er uns schon nach dem ersten Kilometer. Der Abschied fiel kurz aus, denn uns war klar, dass wir uns wahrscheinlich nie mehr wiedersehen werden. Schade, denn er war wirklich ein hochinteressanter Leistungssportler und Gesprächspartner. Rebecca und ich waren froh, ihn kennengelernt zu haben. 
 
Eigentlich wollen wir ja gar keine Kritik üben, denn Wandern ist viel zu schön, als dass man sich aufregt. Aber die Ausschilderung schon ab der zweiten Etappe ist zwar nur an wenigen Stellen schlecht, dafür dort aber grausam schlecht. Es ist einfach ärgerlich, wenn man in mehrere Wege hineinlaufen muss, um die nächste Wegmarkierung zu suchen. Das lässt sich verbessern! 
 
Heute haben wir auch den ersten Angler an der Lieser angetroffen. Ein netter Niederländer, der professionell ausgerüstet erschein und Forellen fischte. Wenn er eine geangelt hatte, fotografierte er sie und gab ihr dann wieder ihre Freiheit. Was für eine noble Variante des Angelns. Unser Petri Heil zum Abschied nahm er dann auch mit Petri Dank entgegen. 
 
Fünf Kilometer vor Wittlich kommt man an der Pleiner Mühle vorbei, dem einzigen Gebäude auf der ganzen Strecke. Das ist deshalb erwähnenswert, weil hier eine spannende Stahlseilkonstruktion über die Lieser führt, um die Pleiner Mühle am anderen Ufer erreichen zu können. Wir hatten unseren Spaß daran, doch recht hoch über dem Fluss – auf dem schwankenden Konstrukt – das Gleichgewicht zu halten. Natürlich haben wir etliche Fotos und Videos gefertigt, aber diese Erinnerung bleibt in unseren Köpfen. 
 
Mit dem Wetter hatten wir wie die Tage zuvor wieder Glück. Die Sonne strahlte im Gegensatz zu den ersten beiden Etappen nicht immer, sondern versteckte sich schon mal hinter einer Wolkendecke. Aber mit 19 Grad hatten wir eine angenehme Temperatur, um uns auf das Wandern konzentrieren zu können. 
 
Nicht nur in Wittlich, sondern auch schon in Daun und Manderscheid waren wir positiv davon angetan, wie schön sich diese Eifelstädtchen zumindest baulich entwickelt haben. Die Lieser-Terrassen zum Beispiel in der Stadtmitte von Wittlich wirken geradezu mondän. 
 
Nachdem wir uns ein wenig die Stadtmitte angeschaut haben, sitzen wir nun beim Griechen vor einem viel zu großen Grillteller. Wir brauchen ja neue Kräfte für Morgen! 
 
  

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Etappe 4: Von Wittlich nach Lieser (19,09 km)

Geschafft!!!

Wir freuen uns, auch die vierte und damit die letzte Etappe des Lieserpfades geschafft zu haben.
 
Mit 19,09 Kilometern war die Entfernung eine mittlere Kategorie. Und zugegebenermaßen ging es etwa nach der Hälfte der Strecke meistens abwärts.
 
Insgesamt waren wir fünf Stunden und neun Minuten unterwegs. Wir waren damit im Schnitt deutlich schneller als bei den vorherigen Etappen. Der Grund dafür war einfach. Wir mussten heute von unserem Zielort Lieser an der Mosel mit dem Bus zurück nach Wittlich und von dort dann mit dem Regionalexpress nach Koblenz und nach Köln. Daher wollten wir so früh wie möglich in Lieser ankommen, um zu einer halbwegs erträglichen Zeit zurück nach Köln fahren zu können. Das hat geklappt!
 
Die Etappe verlief von Wittlich meist entlang der Lieser bis hin zu deren Mündung in die Mosel im gleichnamigen Weinort Lieser.
 
In Wittlich erlebten wie gleich zu Beginn eine kleine Lachnummer. Wir gingen morgens vom Hotel zurück zur Stadtmitte und von dort über die Lieserbrücke auf die andere Uferseite. Die Idee war, dort wieder auf unseren Lieserpfad zu treffen. Das gelang. Erfreut folgten wir den Wegmarkierungen und waren dann völlig perplex, als uns der Weg quasi von hinten zurück an unserem Hotel vorbei führte. Ohne dass wir es wussten lag unser Hotel direkt am Lieserpfad und wir waren den großen Bogen durch Wittlich völlig umsonst marschiert. War aber egal, denn heute fühlten wir uns trotz der gestrigen Anstrengungen wieder fit.
 
Im Hotel hatten wir uns alle unsere empfindlichen Stellen mit Voltaren behandelt und dann abgetapt. Wir sind inzwischen begeisterte Fans dieser Methode. Ein Tape auf die betroffene Scheuer- oder Schmerzstelle geklebt und fertig! Es hilft ganz sicher, weshalb eine Rolle Tape zu unserer Standardausrüstung gehört.
 
Während unseres überflüssigen morgendlichen Rundgangs durch Wittlich trafen wir zwei mittelalte Wanderinnen wieder, die wir gestern schon einige Male getroffen hatten. Wir hatten uns während der dritten Etappe mehrfach gegenseitig überholt. Die beiden Damen machten gerade Frühstückspause auf einer Bank, da sie in einer Pension ohne Verpflegung genächtigt hatten. Es war irgendwie schön, mit vertrauten Gesichtern in den letzten Wandertag zu starten. Da also auch noch andere Verrückte sich auf denselben Weg machten, kam die Sinnfrage erst gar nicht auf.
 
Gleich hinter Wittlich ging es aufwärts, was aber kein wirkliches Problem war. Resignierter waren wir eher darüber, dass es wieder in den Wald „zum Bäumezählen“ ging. Unsere zwischenzeitliche Abneigung gegen zuviel Wald ging sogar so weit, dass wir hinter der Ortschaft Platten eine alternative Route direkt entlang der Wiesen an der Lieser einschlugen. So konnten wir Fluss und Landschaft sehen und genießen.
 
Ab der Ortschaft Maring-Noviand wurde nicht nur der kleine Fluss, sondern auch das Tal breiter. Dort begannen auch links und rechts Weinberge die Gegend zu prägen. Diese herrliche Kulturlandschaft mit den eigenen Füssen erobern zu können, war Erlebnis pur.
 
Nach den letzten Kilometern war es dann soweit. „Unsere“ Lieser, an deren Quelle wir oben in der Eifel gestartet waren, floss gemütlich und nahezu unspektakulär in die Mosel – und weg war sie! Und doch löste dieser schlichte Vorgang Emotionen in uns aus. Wir umarmten und drückten uns und waren ein wenig stolz auf unsere Leistung.
 
Gestartet waren wir um 8.15 Uhr in Wittlich, angekommen an der Mosel waren wir um 13.24 Uhr. Da wir noch locker Zeit hatten, um  den  nächsten Bus zurück nach Wittlich zu erreichen, ließen wir es uns nicht nehmen, auf der Terrasse des Hotels Schloss Lieser Kaffee und Kuchen als Belohnung zu genießen. Das Schloss Lieser blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und ist heute ein Fünf-Sterne-Wellness-Hotel. Es sieht nicht nur großartig aus, auch der Kuchen und der Kaffee waren ausgezeichnet. Mit unserer Wanderkluft wirkten wir im Kreise der meist niederländischen Schickimickis allerdings wie Außerirdische. Was uns wiederum Spaß machte.
 
Unser Fazit: Der Lieserpfad ist zwar nicht das Highlight unter den Wanderwegen, aber als Projekt für ein verlängertes Wochenende empfiehlt er sich allemal. Uns hat vor allem gefallen, die Entwicklung der Lieser vom Rinnsal bis zum kleinen Fluss „mitwandern“ und miterleben zu können.
Der Lieserpfad ist also trotz einiger Schwächen empfehlenswert!

Hier gibt's die vierte Etappe bewegt als Reel auf Instagram.